1.6 Suche nach einer anderen Zukunft?

Eine kurze Auseinandersetzung mit Scifi und Afrika, Afrofuturismus und der Vision eines anderen Lebens im hier und jetzt. von André Tzara

“Heutzutage vermischen sich tiefsitzende Themen wie Rasse, Klasse, Sklaverei usw. mit dem modernen Leben und den Erwartungen an das, was das Leben sein sollte […] es ist erfrischend sich eine Zukunft vorzustellen, in der die afrikanische Kultur/Stil in höchster Schönheit existiert, ohne sie immer mit einer schmerzhaften Vergangenheit zu verbinden” Tweet von @stormsaulter

“Die Phantasie fördert Kreativität und wissenschaftliche Forschung gleichermaßen #afrofuturismus [….] löst die Phantasie aus & hilft vielen, über die Grenzen hinaus zu sehen…” Tweet von @ytashawomack.

Afrika und Science-Fiction – gibt es das? Eine Verbindung, die sich kaum jemand vorstellen kann. Aber sie gibt es. Der Kontinent ist groß, besteht aus einer Vielzahl von Ländern, Traditionen, Kulturen und politischen Systemen – dennoch wird im Westen „Afrika“ weiterhin als beschwörende, allumfassende Vokabel eingesetzt – meistens verbunden mit Verarmung und Rückschritt, anstatt Prosperität und Fortschritt. „Afrika“ scheint in Bezug auf Science-Fiction ein vergessener Kontinent zu sein. Schaut man sich die Entstehung und Entwicklung von Science-Fiction im Film, Buch und Comic als Populärkultur an, wird einem klar, dass schwarze Menschen kaum eine Rolle spielen. Die meisten Geschichten handeln von weißen Charakteren, die ins All gelangen, ihre heroischen Missionen absolvieren und sich als Retter des Universums inszenieren. Zwar gibt es mittlerweile als Ergebnis von Diversity-Diskussionen schwarze Jedis in den neusten Episoden von Star Wars – das Sagen hatten aber schon immer und haben weiterhin weiße Charaktere wie Luke Skywalker oder Han Solo.

Dies bestätigt sich auch bei der bekanntesten Scifi-Serie aller Zeiten (und ständiger Nährboden für die gespenstischen Visionen der Silicon-Valley Alpha-Männchen): Star Trek. Uhura ist Übersetzerin und Kommunikationsbeauftragte an Bord der Enterprise mit den Schwerpunkten Sprachwissenschaft, Kryptographie und Philologie. Sie war ein wichtiger Teil der multikulturellen Crew der Serie und einer der ersten schwarzen Schauspieler*innen, die in einer nicht-menschlichen Rolle in einer amerikanischen Fernsehserie zu sehen war. Nichelle Nichols, die Darstellerin von Uhura, war aber stets unglücklich mit ihrer Rolle, denn sie fand, dass Uhura eine Alibifigur darstellte. Als Kommunikationsoffizierin war Uhura nicht nur das rangniedrigste Mitglied auf der Brücke der Enterprise, sondern wurde auch noch in eine typisch weibliche Rolle gedrängt – das „intergalaktische Äquivalent zur Chefsekretärin“. Schließlich war es Martin Luther King Jr. persönlich, der sie vom Hinschmeißen des Jobs abhielt, der Nichols davon überzeugte, an Bord der Enterprise zu bleiben: „Du veränderst die Ansichten von Menschen auf der gesamten Welt. Durch dich sehen wir zum ersten Mal, wie wir selbst sind: Was wir sein könnten, wofür wir kämpfen und wofür wir auf die Straße gehen.“

Ein fokussierter Blick auf aktuelle afroamerikanische Popkultur verrät uns aber weit mehr als die nerdigste Serie der Welt. Der Wunsch nach einem anderen Ausgang der Geschichte äußert sich immer wieder in afrofuturistischen Elementen in Musikvideos von bekannten Stars wie Missy Eliot bis Beyonce. Der Hollywood-Film „Black Panther“, der im letzten Frühling zum Kassenschlager wurde, war der Anlass für eine Neuentdeckung dieser – manchmal gut versteckten oder unsichtbar gemachten – Elemente.

Zum ersten Mal in der Geschichte der US-Filmproduktionsfirma Marvel Studios ist der Hauptprotagonist und Namensgeber eines Films ein Schwarzer Superheld. Auch die übrigen Protagonist*innen von Black Panther sind fast ausschließlich Schwarz. Der Filmtitel ruft Assoziationen mit der Black Panther Party of Self Defense (BPP) hervor. Doch der dem Film zugrunde liegende gleichnamige Comic erschien schon kurz vor der Gründung der BPP im Oktober 1966. Eine frühe und wahre Ausnahme im Universum der Superhelden. Auch wenn sich der Film nicht vordergründig an den militanten Black-Power-Organisationen orientiert, so hat er doch ein eminent empowerndes Element: Die Schwarze Superheldenfigur zeichnet einen starken Gegenentwurf zu rassistischen Stereotypen von Schwarzer Minderwertigkeit und Schwäche.

Im Fokus des Films steht der Konflikt zwischen Black Panther und Erik Killmonger. Ersterer will sein Land Wakanda, eine abgeschottete und hoch technologisierte Gesellschaft im afrikanischen Kontinent, weiter versteckt und sich aus den Konflikten der restlichen Welt heraushalten. Killmonger will die von weißen Machtstrukturen unterdrückten Schwarzen weltweit mit den wundersamen Vibraniumwaffen ausstatten, damit diese ihre Unterdrücker*innen bekämpfen und sich zu Herrschern der Welt aufschwingen können. Das Thema Sklaverei und seine Folgen werden im Film immer wieder aufgegriffen: Als Killmonger in einem Museum besagte ursprünglich aus Wakanda stammende Spitzhacke entwenden will, sagt er zu einer weißen Kunstexpertin, ihre Vorfahren hätten das antike Werkzeug gestohlen. Eine Anspielung auf den transatlantischen Sklavenhandel, die Kolonialisierung und Plünderung von weiten Teilen Afrikas durch die Briten und andere Kolonialmächte.

Afrofuturismus in aller Munde

Passend zur afrofuturistischen Diskussion zum Film fand parallel in Dortmund die Ausstellung „Afrotech“ statt. Die Ankündigung verrät schon die problematische Ambivalenz eines von Akademikerinnen bestimmten Diskurs: „Die von Inke Arns und Fabian Saavedra-Lara kuratierte Ausstellung Afro-Tech and the Future of Re-Invention stellt eine Verbindung zwischen Afrofuturismus und alternativen technologischen Energien und Imaginationen her. Die in den künstlerischen Arbeiten formulierten spekulativen Narrative werden mit realen Erfindungen aus der Makerszene aus verschiedenen Ländern Afrikas in Beziehung gesetzt. So entsteht eine doppelte Verfremdung: Während die künstlerischen Arbeiten dezidiert afrikanische und diasporische Science-Fiction-Narrative entwerfen, erscheinen die realen Erfindungen als Beweise einer bereits begonnenen technologischen Entwicklung. Die Ausstellung präsentiert Afrika als Kontinent der technologischen Innovation.“

Afrofuturismus ist ein kreierter Sammelbegriff – er umfasst neben Musik auch Literatur, bildende Kunst, Comics, Film und Video sowie Computerspiele. Diese Kunstformen stehen sowohl miteinander im Austausch als auch mit der Kulturtheorie. Als verknüpfte Felder wurden diese erstmals 1992 in einem Essay von Mark Dery sichtbar, der den Begriff des “Afrofuturismus” prägte: Dery fragte sich, warum in der Science-Fiction so wenige afroamerikanische Autoren und Autorinnen zu finden sind, obwohl das Genre samt seiner Entführungsgeschichten und Menschenexperimente sich gut dafür eigne, den “Science-Fiction-Albtraum” afroamerikanischer Menschen zu illustrieren. Fündig wurde er an den Rändern: in den Romanen des schwulen Autors Samuel Delaney, der sich in seinen Romanen sowohl mit der Intersektion von Ethnizität und Klasse als auch mit der AIDS-Krise beschäftigte, bei der Autorin Octavia Butler, die in ihren Werken antihierarchische, multiethnische Communities zum Thema machte, oder beim Rapper Rammellzee, der bei seinen Liveauftritten eine Art Roboter-Schutzanzug trug.

Afrofuturistische Künstlerinnen, Autorinnen, Musikerinnen und Theoretikerinnen sind den Ambivalenzen von Technologien auf der Spur. Sie explorieren in ihren Werken und Untersuchungen den Umgang mit Technologien zu Zwecken der Unterdrückung einerseits und zu Zwecken der Befreiung andererseits. Zentrales Thema afrofuturistischer Auseinandersetzung mit afrodiasporischer Kulturgeschichte ist sicherlich die Frage nach den Bedingungen der Aufrechterhaltung von Zukunftsvorstellung, also auch einer Auseinandersetzung damit, wie es gelang, die brachiale Dehumanisierung der Versklavung zu überleben. Vor dem Hintergrund kolonial geprägter Auslöschung der Vergangenheit versklavter Menschen tragen die Stilmittel der spekulativen und fiktiven Narration eine große Bedeutung in der afrodiasporischen Popkultur.

Als Urvater des Afrofuturismus – 25 Jahre, bevor der Begriff von einem weißen Akademiker erfunden wurde – gilt der Jazz-Musiker Sun Ra. Der Jazz-Musiker behauptete in Interviews und Filmen, er stamme vom Saturn. Er inszenierte sich als Alien auf der Erde – er kommt aus „Outer space“. Damit drückt er ein hohes Entfremdungsgefühl und den Wunsch nach einer anderen Wirklichkeit aus. In seinen Videos thematisiert er nicht nur die Ungleichheit durch Rassismus, sondern zieht auch Verbindungen zum Gang zum Arbeitsamt – indem er sich als intergalaktischer Jobvermittler hinstellt.

Das Techno-Duo Drexciya aus der „Moto-City“ Detroit war Mitbegründer des industrial deep techno Anfang der 90er Jahre aus den USA. In Detroit arbeiteten in den 1990er Jahren die Technoproduzenten Gerald Donald und James Stinson im Umfeld des Technokollektivs Underground Resistance an ihrer eigenen Version afroamerikanischer Mythen. Als Drexciya produzierten sie reduzierte, klare Electro-Tracks, die mehr mit der sterilen Maschinen-Ästhetik der Düsseldorfer Band Kraftwerk als mit den Collagen von Hip-Hop gemeinsam haben. Im Mythos Drexciyas wurden Tausende schwangere Sklavinnen während der Sklavenverschleppung über die middle passage – der Sklavenhandelsroute zwischen Afrika und Amerika – als Ballast über Bord geworfen. Weil die Nachkommen der Sklavinnen aber im Meer geboren wurden, lernten sie, mit flüssigem Sauerstoff zu überleben und unter Wasser zu atmen. Dort gründeten sie eine Zivilisation: Drexciya.

Diese popkulturelle Strömung bietet eine mögliche Antwort auf die Frage, wie man eigentlich eine Zukunft gestalten kann, wenn man seiner Vergangenheit beraubt wurde. Sie hat aber – abgesehen von den letzten zwei starken Beispielen – auch ihre klaren Begrenzungen. Der Ursprung der Auseinandersetzung ist die Konfrontation des Traumas der Vergangenheit – ihr eigentlicher Weg und Ausgang aber unbestimmt und offen. Die Antwort beinhaltet oft mystische und religiöse Elemente – mit fast messianischen Zügen – ein klarer Bezug auf die eigene vorkoloniale Geschichte und der wechselseitigen Wirkungen mit der Erfahrung der Kolonialisierung. Die meisten Künstlerinnen und Autorinnen, die im Buch „Afrofuturism – The world of Black Sci-Fi and Fantasy Culuture“ von Ytasha L. Womach“ aufgezählt werden, sind selbst in Amerika aufgewachsen. Wenige von ihnen sind wirklich noch mit den afrikanischen Urkontinent physisch verbunden – vielmehr steckt hinter dem Begriff Afrofuturismus der Wunsch, diesen Kontakt und Austausch wiederherzustellen. Gibt es aber einen Afrofuturismus jenseits der Diaspora?

Ja, Sci-Fi aus Afrika…

Die Ausgangslage für eigenständige Raumfahrt in Afrika schien schon immer schwierig: Kolonialisierung, Re-Kolonialisierung und kontinuierliche Ausbeutung haben den Kontinent in Fragen der Technologie in Abhängigkeit zum Westen gehalten. Die Big five (Facebook, Appel, Google, Amazon und Microsoft) führen ihre Experimente durch, und eine Second-Hand bzw. Überlebensökonomie hat sich etabliert.

Der Gedanke, Afrika ins Space Age zu integrieren, prägt nicht wenige Sci-Fi-Werke aus Afrika. Das könnte ebenso als Auswirkung des Kolonialismus gelesen werden: Die vorkoloniale Geschichte wurde lange durch mündliche Überlieferung erforscht. In neueren Publikationen wird dieser Zugang zumeist kritisch betrachtet. Oral History ist Manipulationen ausgesetzt und schreibt Machtinteressen fort – einfache Leute kolportieren die Sicht der Könige, Herrscher und Pharaonen. Die Selbstwahrnehmung als “nicht zugehörig” führt zur Begründung einer eigenen Tradition, losgelöst vom Kanon und doch von ihm beeinflusst. Nicht nur die Kolonialmächte, auch die afrikanischen Länder haben eine eigene Geschichte und Deutungsmuster.

Mitten im Kalten Krieg tüftelt tatsächlich eine Gruppe ehrgeiziger Idealisten an Sambias Raumfahrtprogramm. Der Film „Afronauts“ erzählt von aberwitzigen Abschussmechanismen und ambitionierte Zielen. 1964, der Wettlauf ins All ist längst zum Prestigekampf des Kalten Kriegs avanciert, erlangt Sambia die Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht. In dieser euphorischen Aufbruchsstimmung, maßgeblich von post-kolonialen Diskursen und oftmals grenzenlosem Selbstbewusstsein geprägt, kommt Edward Makuka Nkoloso eine kuriose Idee:

Noch bevor den USA oder der Sowjetunion der entscheidende Schritt gelingt, will Nkoloso eine Mission von „Afronauts“ ins All befördern – erst auf den Mond, danach zum Mars. Fest entschlossen gründet Nkoloso, ein Unabhängigkeitskämpfer und Grundschullehrer für Naturwissenschaften, eigenhändig die National Academy of Science, Space Research and Philosophy. In Sambia leben zu diesem Zeitpunkt etwas mehr als 3,6 Millionen Menschen. In der langjährigen Siedlerkolonie gibt es unter der schwarzen Bevölkerung knapp 1500 High School-Abgänger und weniger als hundert mit einem College-Abschluss. Obwohl sich die junge sambische Regierung distanziert und auch die Mehrheit der Bevölkerung vor allem Spott für sein Vorhaben übrig hat, ernennt Nkoloso sich selbst zum Minister für Raumfahrt. Auf einer verlassenen Farm außerhalb der Hauptstadt Lusaka beginnt Nkoloso sein Ausbildungsprogramm für elf weitere Afronauts.

Die Ambivalenz des Wunsches Teil der Zukunft zu sein – so kapitalistisch wie sie auch sein mag, so fern sie auch von den eigenen Wurzeln und Praxen ist – bestätigt ebenfalls der Roman Binti von Nnedi Okarafor. Binti ist der Name des Hauptcharakters und sie ist die erste Himba, die jemals an der Oomza Universität, einer der besten Lehranstalten der Galaxis, angenommen wurde. Aber diese Möglichkeit wahrzunehmen bedeutet, dass sie ihren Platz innerhalb ihrer Familie aufgeben und mit Fremden zwischen den Sternen reisen muss, die weder ihre Denkweise teilen, noch ihre Bräuche respektieren. Die Welt, deren Teil sie werden möchte, hat einen langen Krieg gegen die Medusen hinter sich und Bintis Reise zwischen den Sternen lässt sie dieser Spezies näher kommen als ihr lieb ist. Wenn Binti das Vermächtnis eines Krieges überleben will, mit dem sie nichts zu tun hatte, „wird sie die Gaben ihres Volkes brauchen und die Weisheit, die sich in der Universität verbirgt – aber zuerst muss sie es bis dorthin schaffen, lebendig“.

Silicon-valley style?

Warum dieses Revival in der westlichen Welt? Zwischen Beschleunigungswahn und langweiliger Öko-Postwachstum Debatte, zwischen weltweitem Rechtsruck und Silicon Valley sind Menschen auf der Suche. Es ist kein Zufall, dass der weitere Zerfall menschlicher Beziehungsweisen und Verschärfung der Ausbeutungsverhältnisse eine fast kompassfreie Suche nach Alternativen anstiften. Die Zukunftsvision im Westen ist für einen Großteil der Beteiligten dahin. Deswegen ist Afrofuturismus anschlussfähig. Seine potentielle Stärke findet sich in der Verbindung zu Hydra. Besser gesagt: Er ist wesentlicher Ausdruck der weltweiten Kämpfe. Erinnert wird hier an den Schwarzen Atlantik. Hydra, das sind die Bewegungen, die sich erneut den zerstörerischen und vernichtenden Kräften des Kapitalismus entgegenstellen, die die Diktate zur Umgestaltung der globalen Gesellschaft mit Hilfe neuer Technologien in jeden Winkel der Welt zu treiben versuchen.

Aber: „Noch ist Afrika der ländlichste Kontinent der Welt, doch das könnte sich bald ändern. Bis 2030, so prophezeien es die Vereinten Nationen, wird die Urbanisierung dort rasant voranschreiten, die boomende Bevölkerung wird immer jünger und ist zugleich besser ausgebildet. Städte wie Lagos, Nairobi, Addis Abeba und Abidjan wachsen zu internationalen Tech-Metropolen heran. Wie werden die afrikanischen Städte der Zukunft aussehen? Revolutionäre Smart Citys sollen dort entstehen, Satellitenstädte, oft privat finanziert, die aussehen wie Dubai auf Steroiden. Ist das Zukunftsmusik?“

So lautet ein Kommentar in der FAZ. Es besteht eine hohe Rekuperationsgefahr afrofuturistischer Ideen durch Popkultur einerseits, und viel wichtiger, vom Kapital anderseits. Die reaktionären Transhumanisten von Silicon Valley sehen in Afrika ein riesiges Spielfeld für ihre Weltmachtphantasien, und die sich als progressiv gebenden NGOs und weitere wetteifern um Verbindungen zu attraktiven Start-ups. Trotz ihrer emanzipatorischen Potentials sind Popkulturen vor allem auch Ausdruck und Gestalt der kapitalistischen Verhältnisse selbst. Die Träume einer gerechteren Weltraumkonkurrenz und der Glaube an fortschrittlichen Technologien ermöglichen Visionen des eventuellen Austritts aus den gegebenen Verhältnissen, bleiben aber Teil des Verwertungsdrucks.

Der Autor von Black Panther Ta-Naheisi Coates bring diese Widersprüche gegenüber dem Magazin Gizmondo auf den Punkt: „Wir leben in den Vereinigten Staaten, einem sehr schönen Land, das sich selbst für durchweg gut hält. Dabei ist das hier ein Land das Menschen folterte. Und zwar nicht irgendwann in der Geschichte, sondern vor ganz kurzem. Und wenn du nach Europa schaust, nach Belgien, in den letzten 100, 200 Jahren gab es Folter und Kolonialismus. Nimm den modernsten Staat der Welt und versuche in seiner Geschichte nicht vor kurzer Zeit noch Kriegsverbrechen zu finden. So ist es auf der Welt und so ist es auch in Wakanda. Wenn Wakanda so fortgeschritten ist, dann bestimmt nicht, weil sie immer nur nett zu Menschen waren.“

Immer wenn es eine große schwarze Freiheits-Bewegung gab, gab es auch immer eine schwarze Kunstbewegung. In den Zwanzigern war es die panafrikanische Bewegung und die Harlem Renaissance. In den 1960ern die Bürgerrechtsbewegung und die Black Arts Movement. Jetzt gibt es diese Bewegung, die aus den Ereignissen in Ferguson entstanden ist. Sie wird als Black Lives Matter oder als die Ferguson Rebellion bezeichnet und mit ihr wächst die Schwarze Spekulative Kunst. So wie auch beim Afrofuturismus geht es weniger darum zwanghaft positiven Seiten von der Diaspora oder Afrika aufzuzeigen. Phantastische Vorstellungen von schwarzen Helden und Vorbildern können und sollten helfen, Fehler in der weißen Vergangenheit einzugestehen und Wissenstraditionen zu hinterfragen. Diese Suche ist Teil einer Widerstandsbewegung – die zum Ziel hat den westlichen Fokus zu knacken – Ausgang weiterhin unklar.