Corona-Krieg

Eine Art von „Krieg“ oder das Wüten des „digitalisierenden Virus“

Der Beitrag berichtet, wie der „Krieg“ gegen die Coronapandemie dazu genutzt wird, die „animal spirits“ (Keynes), die aggressiven unternehmerischen Kräfte der IT-Innovationsoffensive aus der Stagnation zu reißen und ihnen einen neuen Schub zu verleihen – ähnlich wie es der Krieg 1914 mit den „animal spirits“ des Taylorismus getan hat. Wir haben wenig Zweifel an dieser Deutung. Denn wir haben hier immer wieder die Ähnlichkeiten und Analogien der großen historischen technologischen Angriffe herausgearbeitet. Allerdings greift unsere Deutung auf dem Hintergrund des Geschehenen mit Hilfe der historischen Erfahrungen prognostisch ins Unerforschte der zukünftigen Angriffsstrategien der Gegenseite. Darum versehen wir dieses Deutungsangebot mit zwei Ausrufezeichen und einem Fragezeichen. 

Wir möchten ihn mit drei Schlaglichtern zum aktuellen sozialpsychologischen Klima auf den autoritären Herrengestus, den unbedingten Willen zur Verwertung der Krise und der allgegenwärtigen Kriegsmetaphorik einleiten. Sie wirken in unterschiedlichen Mischungen, Akzentuierungen und kulturell bedingten Einfärbungen in allen Ländern und beleuchten nicht nur treffend den komplexen Angriff des Corona-Moments, sondern formen auch die Zukunft und werden nicht mehr weggehen. Das erste ist ein Artikel von Wolfgang Michal im Freitag vom 16.4. unter der Überschrift „Volksgemeinschaftsmoral, bitte“. Darin analysiert er die Strategien der gegenwärtigen Coronakrisen-Inszenierung der Regierung unter dem Stichwort „Krisenkommunikationsstrategie“: lückenlose Geschlossenheit einer expertokratisch/politischen Dauershow im Sinne einer Hof- wie auch Frontberichterstattung, die infolge der föderalen Struktur auch Grüne einbindet. Sie lasse Risse nicht mehr erkennen und zelebriere die absolute Kommunikationshoheit, die die Bevölkerung zum volksgemeinschaftlichen Auditorium verkommen lasse. Empfohlen wird hierzu auch die Beleuchtung dieses Vorgangs als „Einübung in den Ausnahmezustand“ von Dirk Vogelskamp in Grundrechtekomitee.de.1 Aus der unten erörterten Parallelität zu 1914 könnte man hinzufügen: „Angesichts der Krise kenne ich keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche“. Die Krise ist nach Meinung der Experten katastrophisch. Sie übersteigt, ja potenziert die von 2008, was soviel heißt wie dass sie der Weltwirtschaftskrise von 1929 bis 1945 gleichkommt.

Das zweite Schlaglicht ist der offensichtliche unbedingte Wille die Krise zu nutzen. Wir haben einen derartigen Willen Merkels schon gegenüber der Drohung des globalen Zusammenbruchs im Jahre 2010 kennen gelernt2. Damals war es der Wille, die Krise zur Realisierung des alten deutschen Traums von einem deutschen Europa zu verwerten. In ähnlicher Weise spekuliert ihre Digital-Staatsministerin Dorothea Bär, so wie auch die führenden Akteure in anderen Ländern, nunmehr auf einen „massiven Schub“ durch die Coronakrise. In europäischer Verzweiflung allerdings im Kampf gegen die gähnende digitale Lücke gegenüber China und den USA (dazu unten mehr). Und schließlich rät der hierzulande als bloßer Spekulant sträflich unterschätzte George Soros angesichts der Bedrohung Europas in dieser tiefen Krise und dem „once-in-a-lifetime war against a virus“ zur Anwendung von „perpetual bonds“, „ewigen Anleihen“, die von England schon in den napoleonischen Kriegen und dem Ersten Weltkrieg“ eingesetzt worden seien.3 Zinstragende Anleihen ohne eine ausdrückliche Pflicht, aber mit dem Recht zur Rückzahlung, das von der englischen Regierung auch wahrgenommen wurde. Sie sind ein kriegsökonomisches Instrument, und so ist auch die Kriegsmetaphorik allgegenwärtig, auch wenn die „Frontberichterstattung“ in Deutschland aus historischen Gründen das Wort „Krieg“ vermeidet. Wir kennen sie beispielsweise von Macron oder dem ehemaligen Vorsitzenden der englischen Zentralbank Mark Carney. Auf den Punkt gebracht hat der zwar nach rechts abgeglittene, aber durchaus intelligente Varoufakis die Maßnahmen im Zusammenhang der schuldenfinanzierten Geldflutung als „Kriegsökonomie ohne Krieg“. „The analogue of war“, das war die Überschrift des Historikers William Leuchtenburg über Franklin D. Roosevelts 1933er Aufgalopp zum sog. „ersten New Deal“, der seine Verwirklichung im Übergang zur Kriegsökonomie der späten 30er Jahre finden würde4. Autoritärer Herrschaftsgestus, Krisennutzung, Kriegs- und Frontmetaphorik, Kriegsökonomie ohne Krieg, sie alle summieren sich, das sagt uns die Geschichte, zu einer äußerst brisanten Situation.

Die Krisenlage

In einem Artikel vom 29.4.20 für Project Syndicate thematisierte der renommierte amerikanische Ökonom von der New York University, Nouriel Roubini, seit Jahrzehnten Mitarbeiter höchstrangiger Beratergremien, „Zehn Gründe, warum eine größere Depression in den 20er Jahren unvermeidlich ist“. Sie hätten allerdings für Trends gestanden, die schon vor Corona gewirkt hätten. Es sind im Kern diejenigen, die wir in der online-Zeitschrift „Hydra“5 seit langem beobachten, vor allem das ungeheure Ausmaß ökonomisch nichttragbarer (unsustainable) Verschuldung auf allen Ebenen. Ebenso hat der „Hydra“-Krisenticker#36 den in den vorhergehenden Krisentickern dargestellten Krisenpegel in seiner ökonomischen Dimension durch eine dramatische Entwicklung der globalen Verschuldung charakterisiert. Waren sie vom Jahr des globalen Crashs 2008 bis Anfang 2017 von 97 Billionen (US-amerikanisch „trillions“) auf 169 (laut IWF Global-Data-Base sogar 184) Billionen angewachsen, so hat sich inzwischen die Verschuldung derart dramatisch weiterentwickelt, dass sich die amerikanische Federal Reserve (Fed) 2019 zur erneuten Anwendung einer Notmaßnahme aus dem Crash-Jahr 2008 gezwungen sah. Zur Sicherung des Vertrauens und der prophylaktischen Vermeidung einer totalen Austrocknung der Liquidität wurden wieder hohe „Übernachtkredite“ zur Verfügung gestellt. Das war noch unter den Bedingungen einer wenn auch durch Schulden und Nachfrageverfall, Protektionismus, Abwertungswettbewerb stotternden globalen Mechanik. Der World Economic Outlook des IWF verzeichnet nunmehr aufgrund der durch Corona hinzugekommenen Bedingungen –Schuldensteigerung, Produktionseinschränkungen – den Absturz in die tiefste Krise seit der Großen Depression. Realistische Betrachter stellen sie dieser gleich.7

So mussten die USA Ende April diesen Jahres – bei einer Million Infizierter und 60 000 Toten – mehr als 30 Millionen krisenbedingte Arbeitslose hinnehmen, so viele wie nie in so kurzer Zeit, 18% der Arbeitsbevölkerung mit einer Quote von fast 5%, dazu einen dramatischen Wirtschaftseinbruch, und im mittleren und unteren Bereich zahllose Firmenzusammenbrüche. Die deutschen Unternehmen haben für 10,1 Millionen Beschäftigte Kurzarbeit angemeldet bei gleichwohl zudem noch wachsender Arbeitslosigkeit und steigenden Firmenzusammenbrüchen, verfallenden Exporten und einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 6,3%. In den übrigen großen Volkswirtschaften herrscht das gleiche Bild. Ebenso wie Roubini sieht der Finanzexperte aus Berkeley, Barry Eichengreen, Trumps ostentativen Optimismus als völlig verfehlt an. Er hält ihm die Gründe entgegen, warum die Auswirkungen des ökonomischen Schlags von Corona viele Jahre anhalten werden. Der ehemalige IWF-Chefökonom und Krisentheoretiker Kenneth Rogoff verweist darauf, dass kein Zusammenbruch der letzten 150 Jahre derart stark und schnell gewesen ist. Und China erlebt den schlimmsten Zusammenbruch seit der Kulturrevolution mit einem Mitte April registrierten Absturz des Wachstums von 6% auf -6,8% unter Einschluss des IT-Sektors und des Verbrauchervertrauens. „Wir werden in China keinen V-förmigen Aufschwung sehen“, diagnostiziert der Chefökonom des auf China spezialisierten Berliner Mercator-Instituts. 

Und vor allem: es ist kein „exogener“, dem Kapitalismus äußerlicher Schock. Vielmehr sind es die Bedingungen des Marktes und der Globalisierung mit ihren bis ins Lokale reichenden Marktansammlungen, weltumspannenden Lieferketten und Verkehrsverbindungen, die die Coronaoffensive mit hervorgebracht haben. Sie ist ein genuines Produkt des gegenwärtigen Kapitalismus. Und das gilt auch für die Fluten eines weiteren „Geldtsunamis“, die wie schon 2001 und 2008 zur Krisenlösung entfesselt werden. 

Stagnation der Digitalisierung und Blockierung der Innovationsoffensive…

Wir wissen, dass Wachstum und Profitsteigerung nachhaltig nur durch Innovationsoffensiven erreicht werden können, weil allein sie die gesellschaftlichen Quellen von Produktivität angreifen, gestalten und erschließen und die Produktivität erhöhen können. Dies ist auch die herrschende Meinung der Ökonomen. Innovationsoffensiven sind jedoch keine subjektfreien Geschehnisse. In ihnen verwirklicht sich das, was Keynes in seiner 1936 erschienen „General Theory“ die „animal spirits“ als subjektive, im weitesten Sinn unternehmerische Antriebskräfte bezeichnet hat und was der ebenso bedeutende Ökonom Joseph Schumpeter als die in den innovativen Akteuren verkörperten Kräfte der „schöpferischen Zerstörung“ beschrieben hat.8 All das begründet die Brisanz der Befunde aus dem Working Paper der OECD No. 1533 von Februar 2019. Danach stagnierten die Durchsetzung der IT-Technologien und Gewinne zugleich mit den in ihnen verkörperten „animal spirits“. In den großen Industriegiganten weitgehend verwirklicht, machte die Offensive an der Grenze zum Gefälle der überkommenen Betriebsformen halt. Die Ursachen können nur in Resistenzen – etwa das Beharren auf überkommenen Lebens- und Arbeitsformen- zu suchen sein, die die Fortsetzung der Digitalisierung blockieren. Es ist das, was Bär mit der gebotenen Zurückhaltung so charakterisiert: „Eine Studie, die ich seit längerem zitiere, sagt, dass wir Deutschen den Wandel nicht mögen, wenn wir aber dazu gezwungen werden, bewältigen wir ihn am besten.“9 In der Tat sind die Wege aus der biedermeierähnlichen Gemütlichkeit der Stagnation des Kapitalismus in der deutschen Geschichte unter dem Diktat krisenhafter „Zwänge“ immer mit geballter Gewalt verbunden gewesen.

und der Durchbruch durch Corona, das „digitalisierende virus“

Nachdem Bär ähnlich schon im November 2018 davon gesprochen hat, dass Deutschland eine Krisenmentalität brauche, um die Digitalisierunglücke zu schließen10, sieht sie in der Coronaepidemie die Chance, „…dass die Digitalisierung auf diese Weise einen massiven Schub erfährt.“11.Obwohl sie sich diese Weise nicht gewünscht habe. Selbstredend, geschenkt. Aber Bär ist nicht so zartfühlend, wie sie tut. So ist sie ist durch ihre Robustheit aufgefallen, als sie autonome Flugtaxis propagierte. Fürs erste sieht sie Einsatzfelder des Digitalisierungschubs in Videokonferenzen, Homeoffice, Bildung und Erziehung („Vieles, was in der digitalen Bildung versäumt wurde, wird jetzt ausprobiert“), der staatlichen Verwaltung im E-Government oder dem „Digitalem Staat“ und natürlich im Gesundheitssektor (auf Corona gemünzt: Vernetzung der Ärzte untereinander und mit Krankenhäusern, kontaktloses Fiebermessen, Pflegeroboter zur Medikamentenverteilung). Das gelte auch für die Corona-App. „..die man am Anfang jetzt mal freiwillig starten (muss), in der Hoffnung, dass es dann auch möglichst viele nutzen. Und dann muss man einfach dem Ganzen mal eine Chance geben.“.12

Die technologischen Aufmarschfelder in der Nutzung der Coronakrise

Als exemplarisch für die Unternehmerseite kann man das Startup-Management der Spherity GmbH anführen. Es vertreibt dezentrales Identitätsmanagement im Sinne sicherer Identitäten in der Kombination von Unternehmen, Maschinen, intelligenten Geräten und Algorithmen. Ihr Mitgründer und General Manager Karsten Stöcker hat in der FAZ vom 20.4.20 „Die positive Seite dieser Krise“ propagiert, bezeichnenderweise zusammen mit Hochschullehrer, Netzwerkberater und Vorstandmitglied des Blockchain Bundesverbandes Markus Büch und Kryptowährungsspezialisten Prof. Philipp Sandner. Danach fordert die Coronaepidemie zum Beispiel bei der Heimarbeit „einen hohen Grad von Digitalisierung“ heraus. „So ist Corona auch das ‚digitalisierende’ virus“, denn „grundsätzlich hat das Corona-Virus geschafft, was viele Manager und Digitalisierungsberater nicht geschafft haben.“ Als Einsatzfelder des viralen „Digitalisierungsschubs“ nennen die Autoren E-Justiz, E-Notariat und E-Government, E-Health mit Videosprechstunden, digitaler Versicherungskarte und Rezeptur, den digitalen Euro und digitale Bildung. Sie erwarten vom Corona-induzierten „Schub“ Wirkungen über die Zeit des Corona-Lockdown hinaus, wobei sie sich auf Ministerin Bärs Ferment der „Krisenmentalität“ berufen. Der Staat soll „als langsamer Tanker mit einer ganzen Flotte von Schnellbooten“ (gemeint sind wohl kleinere Unternehmen, Start-ups) im Sinne einer Public-Private-Partnership operieren.. Er soll „die Komfortzone der Tagesgeschäfte verlassen… und den Turbo in der Digitalisierung zünden. Führt die Politik dann noch digitale Infrastrukturprogramme, digitale Identität und den digitalen Euro ein, so wie es die Amerikaner mit ihrem Stimulusprogramm vorgemacht haben, entstehen neuartige digitale Ökosysteme. Nicht zu vergessen: Am Ende geht es darum, auch später mit digitalen Lösungen nachhaltig Geld zu verdienen. Denn nur so erreichen wir mehr, als das Heranzüchten digitaler Eintagsfliegen…Nun sollten proaktiv die entlegendsten Winkel der Gesellschaft digital durchdrungen werden“.

Auch das Handelsblatt als das grundsätzlich und in der Berichterstattung profilierteste Blatt belegt in seiner print-Ausgabe – vornehmlich an Einzelbeispielen – diesen Schub: Zunächst grundsätzlich im Sinne eines Leitartikels: „Die Krise ist unsere Chance….schafft Bedingungen für radikale Veränderungen,…eine ‚Can-do’-Mentalität“ (16.4.20). „Corona spornt massive Investitionen in die Digitalisierung, d.h. die digital gestützte Automatisierung des Flughafenbetriebs an“ (23.4.20). „Das Coronavirus beschleunigt den Wandel…virale Beschleunigung im Hörsaal“ der privaten Hochschulen vornehmlich im Management- und Business-Bereich (24.4.20). Proptechs, also Immobilien-Start-ups, macht Corona zu „Krisengewinnlern“. (24.4.20). Des weiteren das Übliche zu Heimarbeit und Universitäten.

Der Digitalisierungsschub in der Justiz beschleunigt sich mit einer für diese konservative Schnecke rasenden Geschwindigkeit. Der Widerstand und das Beharrungsvermögen der an Papierakten gewöhnten Richter bröckelt rapide, eine umfassende Digitalisierung wird eingeleitet, auch des Schriftverkehrs und durch Videokonferenzen, etwa im Arbeits- und Sozialrecht. Ausgenommen dort, wo es auf den face-to-face-Eindruck und –einwirkung ankommt, bei Zeugenbefragungen und im Strafprozess.13

Shopping und Tourismus sollen laut DIHK durch den massiven Einsatz von Apps wiederbelebt werden. In einem Merkel und den Koalitionsspitzen zum Wochenende 25/26.04. zugeleiteten Konzeptpapier schlägt der DIHK vor, den Zugang zu Fußgängerzonen, Geschäften und Hotels über Tickets zu begrenzen, die über eine App ausgegeben werden könnten und mit deren Hilfe Kunden Einkaufszeiten und Dienstleistungen buchen könnten. An Stränden, Seen, in Nationalparks, Messen, – tendenziell wird praktisch der gesamte öffentliche Raum ins Visier genommen – könnten über Echtzeitpositionsdaten Personenströme reguliert werden. (Alle über das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) versorgten Blätter, z.B. Spiegel 28.4.20, Weser-Kurier). Das ist ein kleiner Schritt in der Digitalisierungsoffensive, aber ein großer Schritt für die gesamte Innovationsoffensive. Denn es würde eine weitere epochale Etappe eines Strukturwandels der Öffentlichkeit eröffnen, der denjenigen tayloristischer Öffentlichkeitsrationalisierungen (vgl Hydra#2) auf eine neue historische Stufe entsprechen würde. Die App-vermittelten ersten Schritte hierzu haben wir bei Capulcu schon analysiert.

Dem notgedrungen knappen Schlaglicht auf die US-amerikanischen Entwicklungen kann man Microsoft-CEO Nadellas Quintessenz über die technologischen Wirkungen von Corona aus einem Bericht des Business Standard vom 30.4.20 voranstellen: „Zwei Jahre digitaler Transformation brauchen nur zwei Monate.“ Natürlich haben digitalisierte Videokonferenzen, home-office und digitalisierter Unterricht einen enormen Schub erlebt. Aber in manchen Segmenten und Städten waren sie schon viel weiter entwickelt als in Deutschland und sogar als in Greater London, sodass niemand viel Aufhebens davon macht. Das gilt aber nicht für viele Städte und weite Landstriche zurückhängender Bundesstaaten, für die wenig anderes zu sagen ist als für Deutschland. Anders: das Binnengefälle ist krass. Daran mag es liegen, dass über Allgemeinheiten wie die schlichte Konstatierung eines IT-Schubs hinaus die Berichterstattung und Analysen von McKinsey nicht gerade spannend und hier kaum berichtenswert sind.14 Beachtenswert ist hingegen der Bericht von Guido Mingels aus San Francisco15, wonach der Schub in den coronabedingten IT-Anwendungen das angewachsene Misstrauen gegen Silicon Valley zum Schmelzen bringt: „Der Techlash ist vorerst abgesagt…Big Tech gewinnt“, zumal es seine Lieferketten erfolgreich habe reorganisieren können. Corona beschleunige Trends, mache manche Ideen und Firmen zu Gewinnern – hervorstechend Amazon als „unverzichtbarer Grundversorger – und andere zu Verlierern, wie die sogenannte „Sharing.Industrie“ oder besser „on-demand-Industrie“. Die Digital-Industrie werde nunmehr von der Option zum Standard, die verheerendste Folge für die Perspektiven der sozialen Revolution gegen den technologischen Angriff. Ist diese Wasserscheide in den USA wirklich überschritten, bei der nach Mingels die „Digitalisierung zur (technologisch definierten, capulcu) Klassenfrage“ wird, zur Frage derjenigen, die aus unterbezahlten Positionen aus Supermärkten, Tankstellen, Kurierdiensten die Homeoffice-Elite mit dem Notwendigsten versorgen, zum Schaden urbaner Zentren?

Die Bewertung der Prozesse in den USA ist infolge der US-Führerschaft in der Innovationsoffensive und der – bisher noch prägenden – weit liberaleren sozial/ökonomischen Organisation eine andere. Der von privaten Unternehmen betriebene disruptive, zerstörerische Prozess wird bislang noch brutal fortgesetzt, der Moment einer staatlichen oder sonst gesamtgesellschaftlichen Hegemonisierung ist noch nicht erreicht (wie ja die USA in der Geschichte auch immer verspätet Anschluss an die von Deutschland vorangetriebene gesamtorganisatorische Entwicklung gesucht haben.16). Andere, auch europäische Länder, in denen das Transformationsprofil blasser entwickelt ist, müssen hier unbehandelt bleiben.

Chaos oder Lenkung?

Weder noch. All diese Vorstöße erscheinen chaotisch. Aber in der Geschichte der Innovationsoffensiven lag das „organisierende“ Moment immer, wie auch heute, begründet in vom Ehrgeiz befeuerten privaten Initiativen. Das sind Initiativen der großen Player wie Google, Amazon, Facebook, ja, sogar auch SAP unter ferner liefen. Aber auch der Start-ups und nicht zuletzt der innovativen Forschungsinstitute und darüber hinaus der Problemlöser (vgl. der „Solutionismus“-Beitrag), der Experten, die – selten selbst Entscheider – Such- und Problemräume eröffnen und Lösungsmöglichkeiten anbieten. Alle suchen sie zugleich ihre Chancen. Und das „Organisierende“ daran ist die gleichgerichtete innovative Orientierung. Sie ist zugleich befeuert von Ehrgeiz, Profilierungseifer und Konkurrenz, geprägt vom gegenseitigen Lernen bis zum Klau und zur Hochstapelei. Mit (zeitweiligen) Vorreitern, Vorpreschern, Taktgebern. Sie sind es allesamt, in denen sich die „animal spirits“ des Schubs verkörpern, ausprägen und ausdifferenzieren. Und der Staat? Schiebt er nicht auch, wenn man Bär glauben darf und ernst nehmen möchte? Sicher doch. Aber ist nicht auf der anderen Seite das Analysepotential, Know-how und die Mischung von Gier und Ehrgeiz der „Privaten“ aller dieser Ebenen unvergleichlich größer? Ebenso sicher. Aber sie sind Konkurrenten und gönnen sich gegenseitig bei allen vorübergehenden Allianzen das Schwarze unterm Nagel nicht. So tritt denn wie schon früher der nicht nur ideelle (Engels), sondern eher reale Gesamtkapitalist als Garant nicht nur staatlicher und vor allem militärischer Macht, sondern als Angelpunkt auf, der eine kohärente Formierung der Initiativen zu einem komplexen historischen Schub ermöglicht. Und gerade hier ist die Ähnlichkeit, die Analogie mit dem tayloristischen Schub im Ersten Weltkrieg (wiederholt im NS), besonders augenfällig. Es waren die Kapazitäten und die Akteure aus den großen Playern (AEG, BASF), die den Krieg praktisch übernahmen und binnen Monaten das Kriegsministerium zu einem Wurmfortsatz der von ihnen geschaffenen gigantischen Strukturen machten. Komplettiert durch Horden ehrgeiziger wissenschaftlicher Problemlöser aus den Universitäten, Instituten und dergleichen mehr, betrieben sie unter einer zusammenfassenden, richtunggebenden, aber sich zugleich verändernden Staatlichkeit ihre Konkurrenzen und zugleich die Formierung eines militärisch-industriell-wissenschaftlichen Komplexes und den Durchbruch des Fordismus/Taylorismus.17

Das von den „animal spirits“ des Schubs angestachelte Digitalisierungsrennen kann man in einer derart hektischen Phase nur mit Momentaufnahmen wiedergeben. Aufnahmen, die schon im nächsten Monat anders aussehen werden. Daher soll es mit dem hier fotografierten „Schnappschuss“ erst mal sein Bewenden haben. Wir verstehen diesen eher als Auftakt zu weiteren Schnappschüssen von Vorstößen, die wir in den kommenden Monaten und Jahren behandeln werden. 

Vorwarnungen aus der Geschichte und Ausblick

Wir haben bei Capulcu wiederholt betont, dass die Schilderung von Facetten des technologischen Angriffs, über die wir berichten, immer wieder zeithistorisch in das komplexe Geschehens der Innovationsoffensive eingebettet und historisch zurückgebunden werden muss. Das müssen wir jetzt auch tun. Denn die über die grossen Zyklen hinweg so ähnlichen Verlaufspfade bzw. das dynamische Profil solcher Offensiven sind jeweils zwingend ein historisches Gesamtgeschehen. In ihm verbinden sich Angriffsstränge, Finanzinstrumente/Ökonomie, Sozialstrategien, was immer die Analyse an Einzelsträngen da herauslösen mag. Das was die oben referierten Autoren das „digitale Durchdringen auch der entlegendsten Winkel der Gesellschaft“ nannten. Gegen die Bevölkerung in allen Dimensionen von Arbeiten und Leben gerichtet, hat die Offensive immer wieder – in den historischen Etappen von „Industrieller Revolution, tayloristischer bis zur heutigen IT-Offensive – den Durchbruch in einem epochal angelegten. technologisch/ökonomischen Vorstoß gesucht. Krisen sind sowohl den Resistenzen und Widerständen gegen die Offensive geschuldet, wie auch dem Ausbleiben der anvisierten Werte, die das jeweils modifizierte und gesteigerte Warenangebot tragen können. Die Krisenträchtigkeit der Verschuldungswellen haben wir hier und bei „Hydra“ nachgezeichnet. Das genannte OECD-paper hat der daraus resultierenden technologisch/ökonomischen Blockierung Rechnung getragen, für uns nicht überraschend. Corona hat nunmehr die Situation auf eine Weise so verschärft, dass die innovatorisch-kapitalistischen Eliten nunmehr die Gelegenheit ergreifen, den Schock der Krise, die „shock and awe“-Wirkung des potenzierten technologischen Angriffs und vor allem die ökonomisch-existenzielle Angst der Menschen zu nutzen.

Die Analogien zu Krisensituationen wie 1913 f. und 1929 ff. liegen auf der Hand.18 Im Zuge ihres Vorantreibens musste die Innovationsoffensive damals ebenso wie heute auf eine fundamentale ökonomisch/soziale Blockierung stoßen. Sie konnte angesichts von Resistenzen und Widerständen und ausbleibenden ökonomischen Anpassungen nie glatt durchgehen. Damals nutzten ihre Avantgarden den von ihnen nicht herbeigeführten, sondern allenfalls unterstützten Kriegseintritt, um den Durchbruch der Offensive ein einem nie dagewesenen Blutbad zu suchen.19 Und heute? In gleicher Weise, so sehr sich die Wirkungen von Corona vom damaligen Blutbad auch unterscheiden. Bedarf es zum Durchbruch der zerstörerischen Wirkungen und organisatorischen Prozesse eines Krieges, ist er anvisiert? Oder reicht vorerst eine Corona-induzierte Zerstörung mit einer „Kriegsökonomie ohne Krieg aus? Ebenso wie den Krieg von 1914 haben die Protagonisten der Offensive die Coronaepidemie nicht herbeigeführt (die Verschwörungstheorien lenken auf schändliche Weise vom wirklichen Geschehen ab). Aber sie nutzen sie in ähnlicher Weise. Und zwar durchaus unter bezeichnender Verwendung einer Kriegsrhethorik und mit aus der Kriegsökonomie bekannten Mitteln. Und zugleich auf dem Hintergrund und unter Nutzung politisch-strategischer und militärischer Spannungen, die wir im Beitrag zum „Griff nach der Weltmacht“ behandelt haben und die in der Lage sind, die „schöpferische Zerstörung“ durch Corona durch eine kriegerische zu steigern. Die amerikanische Futurologin und Beraterin hoher Militärs und Politiker*innen Amy Webb beschwor in einem Handelsblatt-Interview und im Coronakontext am 22.4.20 die Gefahr eines „ökonomisch-technologischen Krieges“ und sagte: „China nutzt die Krise, um noch viel mehr Daten zu sammeln. Ortsdaten der Menschen, aber auch hochsensible biometrische Informationen. Dadurch werden die Datenanalysefähigkeiten und die KI-Technologien der dortigen Unternehmen noch besser. Diese Entwicklung trifft übrigens nicht nur die einzelnen Nutzer. Auch Unternehmen werden in China von automatischen Scoring-Systemen erfasst und kategorisiert. Gleichzeitig entsteht ein neuer militärisch-technologischer Komplex. Denn die Waffen der Zukunft sind Daten und Algorithmen. Und viele Unternehmen, die eng mit dem Militär kooperieren, sind auch diejenigen, die am weitesten mit der KI-Forschung sind. Ich mache mir Sorgen, dass die globale Pandemie einen ökonomisch-technologischen Krieg auslöst, wie wir ihn noch nicht gesehen haben.“ In Anbetracht unserer detaillierten Darstellungen in „Delete“ ist in diesem Statement für uns nur der Corona-Kontext neu, den sie zu Recht als Beschleuniger betrachtet. Webb redet mit Admiralen, Sterne-Generälen und Politiker*innen in strategischen Positionen. Ist die Tendenz zum Krieg in Kauf genommen, oder gar beabsichtigt? Die antichinesische Rhetorik – sie rechnet mit einer „De-Chinaisierung“ – ist von Trump bis zu den Demokraten unüberhörbar. Die hier und im Beitrag über den „Griff nach der Weltmacht“ angegebenen historischen Hinweise sagen uns, dass die USA innovationstreibende Kriege sowohl angezettelt als auch aufgegriffen haben. Und das ist wichtig, denn die historische Orientierung spielt bei ihren Akteuren immer eine große Rolle. All das sagt mehr als der nackte informative Inhalt ihres Statements und wird uns weiterhin beschäftigen.

Auch wenn wir den rasenden Wirbel der Veränderung nur in Momentaufnehmen fassen können, einige Vorstöße übergreifender und grundsätzlicherer Natur wollen wir – ohne Anspruch auf Systematik und Vollständigkeit – benennen. 

Konzentrations-, Bereinigungsprozesse und weitere Auswirkungen.

Der 1. Weltkrieg wurde durch die Kriegsrohstoffabteilung wie auch durch analoge Organisationen in anderen kriegführenden Ländern über den Begriff der „Kriegswichtigkeit“ bzw. „Kriegsrelevanz“ unter dem Machtmonopol der damals innovativen Elektro- und Chemiegiganten zur gelenkten Konzentration und Unternehmensbereinigung genutzt. Etwas Ähnliches geschieht jetzt mit dem Instrumentarium der unter Bedingungen gestellten Kreditvergabe, die an der Leitlinie der „Systemrelevanz“ orientiert sind. Auf der neuen Innovationsstufe allerdings unter dem Machtmonopol der IT-Giganten. 

Die Prozesse der Konzentration, Auslese und Bereinigung lassen auf allen industriellen Stufen Unternehmen verschwinden, wie es keine der früheren großen Krisen gründlicher bewerkstelligt hat. Am dramatischsten in der Luftfahrt und Flugzeugindustrie, wo ganze Airlines untergehen in Ländern, die sich eine auffangende Finanzierung nicht leisten können. Besonders dramatisch in Afrika, wo Ethiopian und Southafrican Airlines der Auflösung anheim gegeben scheinen. Außer es sammelt sie einer der großen metropolitanen Linien für’n Appel und Ei auf.

Ein ebenso dramatischer Prozess tobt im Einzelhandel und Servicesektor. Er ist von großer Bedeutung für tradierte Lebensformen und die in ihnen angelegten Resistenzpotentiale, insbesondere im mittleren und Kleinhandel auf Quartiers- und Stadtebene. Corona hat ihm in allen Ländern einen teilweise irreversiblen Schock versetzt. Nutznießer ist der Onlinehandel, auch Netflix, Ocado etc. Vor allem aber Amazon. Unter Corona hat das Unternehmen seinen Absatz auf $ 11 000 in der Sekunde hochgefahren, Bezos hat sein Vermögen auf 138 Milliarden erhöht und als reichster Mann der Welt den Abstand zu den ärmlichen, im unteren zweistelligen Milliardenbereich vegetierenden Hungerleidern, noch ausgebaut. Seine gewachsene Arroganz gegenüber den Arbeiter*innen schlägt sich im amerikanischen System des „hire and fire“ in gewachsener Brutalität und Mitleidlosigkeit nieder. Der CEO von Ritholz Wealth Management Josh Ritholz gibt die übereinstimmende Meinung vieler wieder, wenn er sagt: „Amazon ist in dieser Krise ein öffentliches Versorgungsunternehmen geworden – aggressiv, verlässlich, unverzichtbar.“. Vizepräsident Mike Pence hat in einem U-turn gegenüber Trumps vorheriger Ablehnung seine Ergebenheitsadresse bei Bezos angebracht20. Das oben geschilderte Beispiel der Initiative des DIHT verleiht diesem Vorstoß der „schöpferischen Zerstörung“, d.h. der Zerstörung und Neuschöpfung der Lebenswelt eine technologische Form, die für weitere Vorstöße prägend sein wird.

Eine Momentaufnahme an NRW-Hochschulen lieferte uns ein Genosse. Er berichtete davon, dass Hauptamtler*innen per Anordnung aus dem Ministerium verpflichtet wurden, den Unterricht mit den marktgängigen Hilfsmitteln selbst, aber mit finanzieller Unterstützung zu digitalisieren. Auch Nebenamtler*innen wurden dazu aufgefordert, verbunden mit der Drohung des Gehaltsverlusts, wenn sie nicht spuren sollten.

In finanztechnischer Hinsicht verweisen wir auf die Beiträge zu „Libra“ und den Krisenticker#4 bei Hydra. Das Fluten des Schulden- und Liquiditätspegels in vielfacher Billionenhöhe hat überall und auch in Deutschland Dämme brechen lassen und Fragen nach einer neuen Ökonomie aufgeworfen. Zum offensichtlichen coronabedingten Einbruch der Formen kontaktfreier Bezahlung besonders durch Smartphones liegen noch keine verlässlichen Berichte vor. Zum Gesundheitsbereich verweisen wir auf die entsprechenden Beiträge. 

Die Globalisierung wird zurückgefahren, Lieferketten werden zurückgefahren und reorganisiert, Unternehmen richten Zwischenlager ein. Vorstellungen eines versorgungssicheren „Großraums“ werden nach 1914 ff. und 1933 ff. erneut erörtert.

Die patriarchal-sexistische Gewalt– und Ausbeutungskaskade, deren informatiostechnologischen Ausdruck wir immer wieder beleuchtet haben, radikalisiert sich unter Corona einmal mehr. Frauen tragen eine unerträgliche Last in Heimarbeitsplätzen mit Kindern, aber auch in der Isolation häuslicher Versorgungsleistungen. Sie wird sich unter den Bedingungen der erwarteten ökonomischen Krise noch verschärfen.

In Europa spielen Merkel/Scholz va banque. Sie wollen ihr rigides an Griechenland entwickeltes Regime weiter verfolgen, das Europa inzwischen in drei Zonen einteilt: im Zentrum der alte wilhelminische und NS-Kern, bestehend aus Deutschland, Österreich, Benelux und evtl. auch Frankreich, danach Italien und Spanien, und schließlich die übrigen Länder.21. Corona-Bonds wird’s nicht geben, die Einigungslinie wird auf der „gemeinsamen“ Verschuldung über die Europäische Union gesucht, verbunden mit Machtgewinn für von der Leyens Europa als die BRD-dominierte Macht. Die EZB kauft weiter bonds, d.h. verbriefte Staats- und Unternehmensanleihen, über die Ramschgrenze hinaus. Sie sieht sich als europäisches Organ durch die ablehnende Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts nicht gehindert. Sie ventiliert gerade die Auslagerung in „bad banks“. Mit einer Bankenkrise wird gerechnet.

Die soziale Verwüstung in den Ländern des globalen Südens durch Corona wird als enorm eingeschätzt, mit weiterer Verschärfung für die Migrant*innen. Schon die Gewaltausbrüche der letzten Wochen im Libanon werfen ein düsteres Licht darauf.

Das alles sind keine kurzatmigen Projektionen. Die Krise bleibt uns nach den letzten Meldungen und Einschätzungen auf unabsehbare Zeit erhalten. Die epidemieträchtigen Gebiete sind für weitere Ausbrüche gut. Der Innovationsdruck wird nicht nachlassen.

Der Schub ist beileibe nicht konsolidiert. Auch wenn es inzwischen auch in der Groko durchsickert, dass die Tage der Ära von tayloristischer Massenproduktion, -konsum und -kultur gezählt sind, ist das Beharrungsvermögen von Mittelstand und Mittelschicht nicht überwunden. Wir könnten – ähnlich wie in analogen historischen Situationen – einem Umbruchstheater mit wechselnden Inszenierungen entgegengehen. Aber: der Druck der ökonomischen und sozialen Krise nimmt unerbittlich zu. Auf der anderen Seite ist die Erwartung sozialer Unruhe weltweit eine schwer einzuschätzende Größe. Sie wird hier allerdings nicht behandelt, weil zu komplex. Denn der umbruchbedingte Zerfall der überkommenen Muster des Politischen ist unübersehbar, bedarf aber einer genauen Analyse.

A mental revolution“ von oben, das war Taylors Formulierung für das auf eine Epoche angelegte tayloristische Programm. Zu seinen Produkten zählte daher die mentale Konsolidierung in Hitlers „Leistungsvolksgemeinschaft“. Volksgemeinschaftsmoral war kein schlechter Griff von Wolfgang Michal. Dazu ist im Beitrag zum „populistischen Moment“ 22genug gesagt, um hier auf eine Analyse seiner Fortentwicklung verzichten zu können. Im Hinblick auf die Frage der staatlich/technologisch/ökonomischen Verfasstheit, zeichnet sich schon jetzt eine Entwicklung in neokorporatistische Richtung ab, ähnlich wie sie im ersten Weltkrieg als „militärisch-technologisch-ökonomischer Komplex“ unter deutscher Führung in allen kriegführenden Ländern eingeleitet wurde.23 Amy Webb liegt nicht falsch, wenn sie dem Rechnung trägt. 

1 www.grundrechtekomitee.de/details/pandemie-versus-demokratie-oder-die-einuebung-in-den-ausnahmezustand

2 Vgl. dazu D. Hartmann, J. Malamatinas, Krisenlabor Griechenland, Berlin, Hamburg 2011, S. 53 ff.

3 The Guardian 21.4.20, wiederholt in einem Gastbeitrag im Spiegel vom 1.5.20.

4 D. Hartmann, Krisen, Kämpfe, Kriege, Bd.2, Innovative Barbarei gegen soziale Revolution. Kapitalismus und Massengewalt im 20. Jahrhundert, Berlin, Hamburg 2019, Kap 8.4.

5 www.the-hydra.world/index.php/krisenticker/

6 Murmeltier ante portas, www.the-hydra.world Krisenticker#3

7 Auf den Hydra-Krisenticker#4 wird verwiesen.

8 Dazu D.Hartmann, Krisen, Kämpfe, Kriege, Band 1, Alan Greenspans endloser „Tsunami“. Eine Angriffswelle zur Erneuerung kapitalistischer Macht, S. 66 ff., 199 ff, 202 ff.

9 Frankenpost vom 22.3.20

10 Stöcker, M.Büch, P.Sandner, Die positive Seite dieser Krise, FAZ 20.4.20

11 Frankenpost aaO. 

12 www.teltarif.de/baer-digital–app-corona/news.80196.html

13 Spiegel vom 30.4.20

14 Vgl. www.mckinsey.com/industry/heathcare-systems-and-services/our-insights/beyond-coronavirus-the-path-to-the-next-normal

15 Abgedr. im Spiegel vom 16.4.20.

16 Vgl. D. Hartmann, Krisen, Kämpfe, Kriege, Bd. 2,…op. cit., Kap. 3.3, 8.4.

17 Ebd. Kap.3, 8.3

18 Vgl. dazu D. Hartmann, Krisen, Kämpfe, Kriege, Band 2, Innovative Barbarei gegen soziale Revolution. Kapitalismus und Massengewalt im 20. Jahrhundert, Berlin, Hamburg 2019, Kap. 3 und 5.

19 D. Hartmann, Krisen, Kämpfe, Kriege, Band 2, Innovative Barbarei gegen soziale Revolution. Kapitalismus und Massengewalt im 20. Jahrhundert, Kap 2 und 5.

20 R. Neate, Amazon reaps $11,000-a-second coronavirus lockdown bonanza, Guardian 15.4.20

21 Vgl dazu D. Hartmann, Krisen, Kämpfe, Kriege, Bd. 2…, op. cit., Kap. 3.1 und 8.3. John Malamatinas und Detlef Hartmann haben das schon im Buch über „Krisenlabor …, op. cit. beleuchtet 

22 Bei www.the-hydra.world/fresh

23 D. Hartmann, Krisen, Kämpfe, Kriege, Bd.2…op. cit., Kap. 3