Die Perle unserer1 Besetzungsaktivitäten war zweifellos die „Zülpi“, da wird mir jede“r) meiner Freund*innen vorbehaltlos zustimmen. „Zülpi“ steht für „Zülpicher Straße Nr. 97“. Die Zülpicher Straße ist eine der typischen von Kölns Römerzeit geprägten Radialstraßen, die von Köln wirklich zu dem zig Kilometer entfernten „Zülpich“ hinführt. Nr 97 war ein seit Jahren leerstehendes für Kölner Verhältnisse (Köln ist eine Mäusestadt mit einem grotesk-gigantischen Dom) ungewöhnlich großes Wohnhaus mit 22 Wohneinheiten mit einem wesentlich kleineren Nebenhaus) Es war schon einmal „symbolisch“ mit der Absicht besetzt worden, auf den Skandal des Leerstands hinzuweisen. Wir dachten, „symbolisch“ reicht nicht, das geht der Stadt am Arsch vorbei. Und so besetzten wir das Haus am Freitag Abend, dem 15. Dezember 2015 in Besetzer*innen-Routine, quasi nach virtuellem Handbuch: Transpis raus, bewohnbar machen (Strom, Wasser etc.), Tür befestigen, Unterstütz*innen mobilisieren, Presse:etc.etc.

Die Schmier (so heißt die Polizei in Köln) war sofort da, in Gestalt der Robos und zwar in voller Montur mit Folterbesteck. Als sie begann, die rot/weißen Absperrbänder um die Zülpi rumzuziehen, war klar, was das hieß. Es kam zunächst die Aufforderung, das Haus zu verlassen. Wir forderten dagegen Verhandlungen mit dem Eigentümer, die Polizei gestand sie zu aber erst morgen, wenn wir jetzt sofort aus dem Haus gingen. Soweit so Schema XY, das kennen alle Besetzer*innen, warum erzähl ich das überhaupt? Darum:

Wir gingen nicht raus Und das hieß eigentlich: Wenig zarte Robo-Räumung, wahrscheinlich mit Verletzungen. Aber das war eine Rechnung ohne den Wirt. Der Eigentümer war noch immer traumatisiert wegen des einen Todes einer Passantin durch ein herabfallendes Fenster. Er scheute weiteres Blut auf seinem Haus. Die Robos zogen also unverrichteter Dinge äußerst missmutig ab (Erst holt man uns und dann is nix…).Das heißt lange noch nicht, dass wir drin bleiben konnten. Aber Weihnachten stand bevor und es kam darauf an, die Sache möglichst an das Fest der Liebe und des Wohlgefallens auf Erden ranzuschieben. Das gelang mit Haken, Ösen und Tricks, die hier langweilen würden. Und so hieß es, als sich der Geruch von Liebe, Rievkoche (Reibekuchen=Kartoffelpuffer) und Bratäpfeln unabweisbar verdichtete: „Vor Weihnachten wird nicht geräumt“. Wir hatten gewonnen, denn dann es zog es sich. Ich will damit niemanden langweilen.

Wir und die mit uns befreundeten Linken hätten so ein großes Objekt niemals nutzen können und auch nicht wollen. Mit Hilfe einer den Notleidenden gegenüber wohlwollenden Kontaktperson in der Verwaltung und eines bekannten Ratsmitglieds ist es uns nach rund sechs Monaten Besetzung gelungen, eine Superlösung zu erreichen. Die Stadt trägt die Kosten der Sanierung und erhält d as Haus für 30 Jahre zur Pacht. Die Wohnungen werden an geflüchtete Mütter mit Kind(ern) zu einem Mietzins vermietet, der durch Sozialhilfe voll getragen wird, sodass die Geflüchteten keine Kosten haben. Und das Bonbon für uns: Wir kriegten das Nebenhaus für wohnungslose Genoss*innen und linke Veranstaltungen. Ein Fest nach einem Jahr bewies uns: die Familien waren glücklich. Also alles rundum paletti, Zeit für die Besetzer*innenrente. Aber:

Die größte Antiperle, das traurigste, bis heute schwärende schwarze Loch in der jahrelangen Kette der „Wohnaum-für alle“-Besetzungen war Karthäuserwall 6, ein zweistöckiges Haus im angesagten Severinsviertel mit schönen Räumen und am mittelalterlichen Stadttor. Das Haus war nicht baufällig, sondern kerngesund. Das Recht zur Kündigung und die darauffolgende Abrissgenehmigung wurde nur mit unzureichender Verwertungsmöglichkeit gegenüber der geplanten Bebauung begründet. Das „Recht“ tut das und dafür gehört es zur Rechenschaft gezogen. Die Besetzung war kunstgerecht wie immer und das Fest der Besetze*innen und Anwohner*innen bis tief in die Nacht sehr vergnüglich. Das Haus wurde drei Wochen lang gehalten, die Räumung und anschließende Zerstörung des Hauses waren bitter. Noch bitterer allerdings ist die Tatsache, dass das Grundstück viele Jahre danach noch immer nicht bebaut ist – eine hässliche zur Abwehr einer Besetzung (!) umzäunte leere Fläche. Der alljährliche Trauertag zum Gedächtnis treibt unseren Wutschaum zu den Ohren raus.

Der beschämendste Besetzungsversuch galt der seit Jahren leerstehenden Volkshochschule, zentral gelegenen, groß und im höchsten Maße lecker. Wir wollten viele Leute dabei haben und haben vorher ein Treffen im weit entfernten Naturfreundehaus mit vielen Besuchern veranstaltet., um von da aus mit der U-Bahn zum Objekt unserer Begierde zu fahren. Nun ist die Schmier auch nicht doof und hat vermutet, dass was amBach war und in Unkenntnis des Objekts jeden unserer Schritte verfolgt, soweit, bis es klar war. Als wir ankamen, stand da die Schmier und wir sahen reichlich belämmert aus. Dä !! Sagen die Kölner*innen dazu.

Die versöhnlichste Besetzung war die in Ossendorf in einem Wohngebiet von dem Knast (naja), aber gut in Schuss. Die Eigentümerin, eine Genossenschaft, wollte das Gebiet neu bebauen und aufwerten. Unsere Besetzung, wie oft mit Musik begleitet von Eva und Detlef, wurde von Robos postwendend mit Räumungsandrohung. Aber wieder einmal, der unbekannte Faktor. Auch der Genossenschafts-Chef wollte kein Blut aus seinem Vorhaben – Genossenschaften sehen sich ja im Reich des Guten. Nur: die Robos hatten uns eingekesselt und ließen den auch anwaltlich tätigen Detlef nicht zu ihm durch bis er gegen die gepanzerte Kette anrannte. Der Chef erklärte, er wolle ein Gespräch und so konnte der Oberrobo nichts machen. Ergebnis: Die Genossenschaft verspricht Mietverträge mit niedriger Miete für drei und sogar mehr Romafamilien und hat das Versprechen auch gehalten, sogar das „mehr“. Mehr hätten wir auch nicht rausholen können. Versöhnlich das Ganze, es hatte die kleine Feier verdient. 

In all das waren weniger erfolgreiche Besetzungen eingestreut, deren Berichte hier nur runterziehen würden. Außerdem eine gut gelungene „Fette Mieten-Party“ in karnevalsartiger Verkleidung zur Sprengung der von einer affig gestylten (nicht gegen Affen !!) Maklern veranstalteten Wohnungsbesichtigung mit exorbitanten Mietvorstellungen. Das war gut getimed. Denn als wir abrückten, fuhr die Schmier an uns vorbei. Die Besichtigung platzte natürlich, wofür auch die anrückende Schmier sorgte. Ich sags doch, die Polizei, Dein Freund und Helfer.

Darüber hinaus haben wir mehrere so genannte „soziale Kampfbaustellen“ (Wortschöpfung einer Genossin mit vielen guten Einfällen) auf Kölner Grünflächen veranstaltet, um Menschen mit Sorgen kennen- und soziale Auseinandersetzungen einschätzen zu lernen. Bei einer wollten wir überausgebeutete Roma kennenlernen, die sich auf dem Tagelöhnerstrich verdingten und mit Frauen und Babies in Autos und Zelten lebten, sogar im Winter. Das klappte, die Diskussion war super und endete mit einem go-in im Rathaus, das die Roma unter Versprechen verließen, die nie gehalten wurden. Und mit einer anschließenden Demo auf dem Domvorplatz beendeten. Ihre Idee, wir hatten nix damit zu tun, staunten und freuten uns.

Das war der Auftakt zu einer gemeinsamen Besetzung in Köln-Mülheim, die aus rechtlichen Gründen (einige waren illegal schon länger drin und nicht geräumt worden, es brauchte also ein Räumungsurteil) und weil der schon angesprochene nette Mensch aus der Verwaltung diese Rechtsansicht mittrug. Das wiederum führte zu einem gemeinsamen go-in im Bezirksrathaus zwecks Ermöglichung von Anmeldungen, mit der Folge von Sozialleistungen, was vor allem den Kiddies zugute kam. So waren alle happy.

Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, ohne dass wir Nachrichten über Airbnb in den Zeitungen lesen. In allen großen, angesagten Städten in Europa und auf allen Kontinenten der Welt. Die Betreiber von Airbnb feierten 2018 zum 10jährigen Jubiläum: „Die schlechteste Idee, die jemals funktioniert hat“. Aber seit einiger Zeit sieht es nicht mehr ganz so rosig aus für die Sharing-Plattform: Tourismus-Metropolen gehen gegen Airbnb und Co. vor: Rund um die Welt laufen Bürger und Politiker Sturm gegen die Kurzzeitvermieter. Dabei hatte alles so harmlos angefangen im Jahr 2008: Da konnten nämlich drei Studenten, Brian Chesky, Joe Gebbia und Nathan Blecharczyk in San Francisco die Miete für ihr Apartment nicht bezahlen und haben dann dafür kurzer Hand in ihr Wohnzimmer drei Luftmatratzen gelegt und an die Besucher einer Design-Konferenz als Schlafplätze vermietet. Frühstück inklusive. Daraus ist dann im Laufe von über 10 Jahren eine riesige weltweit agierende Internetplattform geworden. Die Firmengründer sind damit längst zu Milliardären geworden und müssen sich nicht darum kümmern, welche Auswirkungen und Folgen ihre harmlose Idee von damals in den Städten der Welt hat. Neben der sowieso bereits vorherrschenden Wohnungsnot in den Städten kommt die Umwandlung von Wohnungen in Ferienwohnungen noch obendrauf.

Dabei ist Airbnb nur die bekannteste Internetplattform. Andere wie z.B. wimdu.com, FeWo-direkt oder booking.com sind genauso verantwortlich für das Desaster, dass der ohnehin knappe Wohnraum überall noch knapper wird. Airbnb betrieb sein Geschäft mit einem so großen Erfolg, dass das Unternehmen eigentlich Mitte 2019 an die Börse gehen wollte, nun sollten die Pläne jedoch erst 2020 realisiert werden. Die Wallstreet fieberte schon lange auf Börsenpapiere des in San Franzisco ansässigen Unternehmens. Der Online-Marktplatz zur Vermittlung von privaten Unterkünften soll 2017 2,6 Milliarden Dollar Umsatz gemacht und einen Gewinn von 100 Millionen Dollar eingefahren haben. Airbnb hatte sich mittlerweile an allen börsennotierten Hotelketten vorbei an die Spitze gesetzt und hatte nur noch Marriot mit 45 Mrd. Dollar vor sich. Aber jetzt gehört das erst einmal der Vergangenheit an und die Wall-Street muss jetzt länger auf den Reibach aus den Vertreibungen warten. Laut Wall-Street-Journal kämpft Airbnb derzeit auch mit den Auswirkungen des Coronavirus im Wachstumsmarkt China.

Aber das sind Probleme, die uns vor Ort nur wenig interessieren müssen. Wir müssen uns mit den anderen Problemen auseinandersetzen: was machen Airbnb und die anderen Vermietungsportale hier vor unseren Haustüren? Wie wirken sie sich auf die Innenstädte der angesagten Städte aus, was wird passieren, wenn in den Innenstädten niemand mehr dauerhaft wohnt und wer ist schuld an dem Desaster. Die Vermietungsprotale, die Vermieter, die den Hals nicht vollkriegen oder die Verwaltungen der Städte, die nicht genügend Kontrollkapazitäten haben, um gegen illegale Ferienwohnungen vorzugehen? In Köln z.B. werden mittlerweile bis zu 7000 illegale Ferienwohnungen im Netz angeboten. Aber auch in anderen europäischen Städten sieht es nicht anders aus. In manchen angesagten Städten wie z.B. Barcelona, Venedig oder Amsterdam wohnen in den Innenstädten schon jetzt kaum noch Einwohner. Nachdem die Hauseigentümer das große Geschäft mit der Vermietung an Touristen, die mit ihren Rollkoffern die Städte überschwemmen, erkannt haben, können sich die normalverdienenden Menschen die gestiegenen Mieten in den Innenstädten nicht mehr leisten. Sie werden an die Ränder der Städte verdrängt. Aber in den Innenstädten will dann auch niemand mehr wohnen. Da wo man die Nachbarn nicht mehr kennt und wo es gar keine Nachbarn mehr gibt, wo jedes Wochenende andere Personen in den umliegenden Wohnungen absteigen. Die Innenstädte veröden und werden zu reinen Museen oder Kulissen für das Touristenunwesen. Eine Enteignung der Heimat, wie man sie sich schlimmer nicht denken kann. Schuld daran ist natürlich auch der immer weiter um sich greifende Städtetourismus für Kurztrips und die billigen Flugpreise. Für 9,99 € mal schnell übers Wochenende nach Barcelona. Da leidet dann auch noch das Klima drunter. Es geht hier auch nicht in erster Linie darum, ein Zimmer in der eigenen Wohnung anzubieten, wenn man selber verreist ist oder die Wohnung für kurze Zeit an andere überlässt, wenn der Vermieter damit einverstanden ist, sondern um die zum Teil schon flächendeckende Umwandlung ganzer Stadtviertel in Touristenunterkünfte. Aber nun ist das Problem auch von den Kommunen erkannt worden und sie werden seit einiger Zeit aktiv.

Bundesweit und auch europaweit haben sich Großstädte vorgenommen gegen Vermittlungsagenturen wie AirBnB vorzugehen. Mit ganz unterschiedlichen Mitteln. Metropolen wie Berlin und Hamburg z. B. bestimmen, dass sämtliche Unterkünfte registriert sein müssen und Vermietungen ganzer Wohnungen ab dem ersten Tag genehmigungspflichtig sind. Mit solchen Maßnahmen schaffte es der Berliner Senat nach eigenen Angaben, seit 2014 rund 9500 Home-Sharing-Unterkünfte dem allgemeinen Wohnungsmarkt wieder zuzuführen, etwa 4500 davon seien Ferienwohnungen gewesen. (Handelsblatt vom 06.08.2019) Bei Verstößen drohen Berlin und Hamburg mit Bußgeldern bis zu einer halben Million Euro. Bis Ende März 2019 flossen auf diese Weise gut 4,5 Mrd. Euro in die Kasse der Hauptstadt. Aber die Zahl der Wohnungen ist nach eigenen Angaben von Airbnb noch weitaus größer: in Berlin z.B. derzeit 13.045 komplette Wohnungen, in Hamburg 5883, in München sind es 6016 und in Dortmund vernachlässigenswerte 185 Wohnungen. Köln verfügt seit dem 01.07.2014 eine neue Wohnraumschutzsatzung, die zunächst bis zum 30.06.2019 galt und dann um weitere fünf Jahre verlängert wurde. Vor Inkrafttreten der Satzung gab es sogar Anwaltsbüros, die auf ihrer Internetseite zu diesem Thema darauf hinwiesen, dass: „Wer beabsichtigt Wohnraum in absehbarer Zeit anderweitig (als zu Wohnzwecken, also Zweck zu entfremden) zu nutzen, sollte dieses Vorhaben noch vor dem 01.07.2014 umsetzen.“ Damit wurde dem illegalen Treiben erheblicher Vorschub geleistet. In Köln werden die illegalen Objekte in der Stadt auf ca. 5000 bis 7000 geschätzt. Genau sagen kann man das nicht, da es keine Meldepflicht gibt. Der Graumarkt boomt auf jeden Fall. Der Marktanteil von Airbnb in Köln liegt bei rund 16 %. (Nach Recherchen der Südd. Zeitung). Im Moment ist es gerade etwas ruhiger geworden um Airbnb. Vor kurzem sah das noch anders aus. Aber nichts desto trotzt hat die Bedrohung von Airbnb für die Städte und deren Einwohner nicht nachgelassen und das wird auch so bleiben, wenn der Widerstand nicht beibehalten wird und sich noch vergrößert.

Wie funktioniert AirBnB? AirBnB gehört wie viele anderen Online-Plattformen zur Sharing-Economy. Der Autor Hanns Ühss gibt in seinem Buch von 2017 „Die Airbnb-Formel“, „In 5 Schritten vom Anfänger zum Super-Host“, Anleitungen darüber, worauf geachtet werden muss, wie man die eigene Wohnung oder extra dafür angemietete Wohnungen bestmöglich an die Frau oder den Mann bringen kann. Dabei beruft er sich auf eine wichtige Erkenntnis, denn ebenso wie Uber, das größte Taxiunternehmen der Welt, das keine eigenen Fahrzeuge besitzt, oder Facebook, das bekannteste Medienunternehmen der Welt, das keine eignen Inhalte produziert oder Delivery Hero, das größte Restaurant der Welt, das keine eigene Küche hat, so hat auch Airbnb, der weltgrößte Anbieter von Urlaubsunterkünften keine einzige Immobilie. Diese Erkenntnis wiederum stammt von Tom Goodwin, einem in den USA lebenden Kolumnisten, der die rasante Entwicklung dieser Online-Plattformen sehr treffend zusammengefasst hat. Dann folgen gleich im Vorwort mehrere nicht ganz falsche Einschätzungen: z.B. dass die Online-Plattformen sich inzwischen fest in unserem Alltag etabliert haben und die Art und Weise wie wir reisen, denken und fühlen. Und dabei spielt die Ökonomie des Teilens eine immer größer werdende Rolle, die das Leben scheinbar immer einfacher und günstiger macht. Aber dabei hat Ühss die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Zumindest bei Airbnb und damit für den Wohnungsmarkt trifft das alles nicht zu. Hier ist es nämlich so, dass die Online-Portale für Ferienwohnungen dafür gesorgt haben, dass ungeheure Begehrlichkeiten bei Mietern und Immobilienbesitzern in den angesagten Städten der Welt geweckt wurden. Und die ursprüngliche Idee ein ungenutztes Zimmer in der eigenen Wohnung an Touristen zu vermieten, schon längst nicht mehr ausreicht. Heute geht es überwiegend um komplette Wohnungen oder sogar um ganze Mehrfamilienhäuser. Es sind nicht mehr nur Pendler, Berufstätige oder Studenten, deren Wohnung mal leer steht, wenn sie verreist sind. Oder Rentner oder WGs, die ein Zimmer erübrigen können. Zunehmend wird durchgängig vermietet und Immobilieninvestoren, die nach alternativen Vermietungsformen suchen, können dabei eine attraktive Mietenrendite erzielen. Dabei hilft dann die spezielle Literatur wie „Die Airbnb-Formel“. Dort kann man erfahren wie man am besten zum Superhost wird und die bestmögliche Rendite erzielen kann. Schritt für Schritt werden die Leser*innen auf alle Eventualitäten vorbereitet und können sich ohne eine Pleite zu erfahren auf die Einrichtung ihrer neue Geldquelle vorbereiten. Im Nachwort geht der Verfasser auf das mittlerweile schlechte Image von Airbnb ein: „Auch wenn die aktuelle Berichterstattung in den Medien den Eindruck erweckt Airbnb sei die Quelle allen Übels und die Airbnb-Gastgeber seien hauptverantwortlich für die steigenden Mietpreise und Verdrängungen von Einheimischen, so bin ich fest davon überzeugt, dass die rasante Entwicklung der Plattform und die gesellschaftliche Adaption der Sharing Economy nicht mehr aufzuhalten ist.“ „In Kombination mit immer günstigeren Reisemöglichkeiten, wie z.B. Easy-jet/Ryanair und Unternehmen wie Flixbus, wird das Reisen immer weiter demokratisiert und ermöglicht es inzwischen allen Gesellschaftsschichten neue Regionen zu erkunden.“ Dagegen anzusteuern ist nicht leicht. Aber in kleinen Schritten vor Ort ist es die einzige Möglichkeit dagegen Widerstand zu leisten. Verhindern wir, dass Airbnb zur Goldgrube für „engagierte“ Gastgeber wird und das die Autoren der Bücher nicht Recht behalten. Aber Airbnb schläft nicht, es hat seine Fühler schon in neue Gefilde ausgestreckt, um der Hotelbranche Dampf zu machen. Im März 2019 erwarb das Unternehmen mit HotelTonight eine Vermittler App von Last-Minute-Angeboten im Bereich Hotelzimmer. Mit dem Kauf von Luxury-Retreats war das Angebot im Jahr 2017 um einen Vermittler von Luxus-Anwesen erweitert worden, der rund 4000 Refugien in ca. 100 Ländern im Angebot hat. Damit hat Airbnb nun endlich für sich den Bogen geschlossen zwischen Rucksacktourismus und Rückzugsorten für höchste Ansprüche der solventen Gesellschaft. Wie verdient Airbnb eigentlich „sein“ Geld? Irgendwie eine interessante Frage: Wie hat Airbnb es überhaupt geschafft so viel Geld anzuhäufen und woher kommt das Geld? Airbnb finanziert sich über eine Service-Gebühr, die bei jeder erfolgreichen Buchung sowohl vom Gast als auch vom Gastgeber automatisch einbehalten wird. Für Gäste liegt diese Gebühr zwischen 6 – 12 %. Für Gastgeber (je nach eingestellter Stornierungsbedingung) zwischen 3 – 5%. Es ist kaum zu glauben wie wenig Reflexion bei den Autoren darüber herrscht, was Tourismus mit den historischen Städten macht. Jetzt hat auch Prag die Reißleine gezogen. Laut Medienberichten sollen mittlerweile dort rund 5000 Wohnungen in der Innenstadt über Airbnb angeboten werden. Das wäre ein Drittel aller Wohnungen im ersten Prager Bezirk. In der gesamten Stadt sollen es nach Schätzungen gut 13.000 Wohnungen sein, aber genau weiß man das nicht, es können auch mehr Prager Wohnungen sein, die über die Internetplattform vermietet werden. Für Prager sind die Wohnungen mittlerweile unbezahlbar geworden. Laut MDR Aktuell muss man im Durchschnitt für eine 60 qm Wohnung in der Prager Altstadt 1.040 € kalt bezahlen. Bei einem Durchschnittslohn von 1.660 € ist das unbezahlbar. Wer in der Innenstadt eine Wohnung kaufen will, zahlt gut 8.000 € pro Quadratmeter. Wenn man dann die eigene Wohnung an Touristen vermietet, kann man das Drei- bis Vierfache einer gewöhnlichen Monatsmiete erzielen. So eine Entwicklung nennt man dann „Overtourism“. Aber zum Glück rührt sich überall in den Städten Widerstand. Auf der einen Seite von direkten Nachbarn wie z.B. in Köln im September 2018 oder in den Stadtverwaltungen, die das Problem mit den Ferienwohnungen in Innenstädten auch endlich erkannt haben. Beispiele gibt es aus Paris, Prag, Köln, Amsterdam, Barcelona und vielen anderen attraktiven Städten, auch aus Berlin. Dort werden mehr Wohnungen und Zimmer über die Plattform vermietet als in Hamburg, München, Köln und Frankfurt zusammen. Damit ist Berlin die unangefochtene Airbnb-Hochburg in Deutschland. Auf Grundlage von Daten, die Airbnb offen zugänglich macht, werden in Berlin an jedem Tag rund 11 700 Wohneinheiten zur Miete angeboten. Werden nur komplette Wohnungen und keine Zimmer gezählt, so sind es immer noch 7 714 Angebote. (http//airbnbvsberlin.de). Aber das sind Zahlen von 2014, die haben sich schon immens gesteigert. In Köln ist am 1. Juli 2019 eine neue Wohnraumschutzsatzung in Kraft getreten. Die Kampagne nennt sich: „ Zum Wohnen gebaut – Wohnungen sind keine Touristenunterkünfte“. Damit sollen Wohnraumzweckentfremdungen in Zukunft besser verhindert werden können. Die Zukunft wird zeigen, ob das wirklich hilft. In Paris versucht die Bürgermeisterin der Stadt Airbnb mit einer Millionenstrafe in ihre Schranken zu weisen. „Illegale Touristenunterkünfte, die die Mietpreise erhöhen und die Bewohner belästigen: Es reicht!“. „Ich habe beschlossen, die Webseite zur Verantwortung zu ziehen“. So die Bürgermeisterin Anne Hidalgo auf Twitter. Airbnb riskiert eine Geldstrafe von 12,5 Mio. Euro. Das Unternehmen weist die Vorwürfe zurück (Spiegel.Online 10.2.2019). Aber das Unternehmen ist auch sonst im Moment berechtigten Anfeindungen ausgesetzt. Da wo noch Einwohner sich ihre Umgebung mit Touristen teilen müssen, kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen wegen Ruhestörungen oder belästigenden Partys über das gesamte Wochenende. Deshalb will Airbnb jetzt die Ruhestörer, aber auch gleich alle anderen Touristen, die alle nichts davon wissen, einem Scoring-Verfahren unterziehen. Scoring-Software, die die Vertrauenswürdigkeit und die Persönlichkeit von Personen einstuft, könnte potentielle Risikopersonen bereits im Vorfeld entdecken. Patentdokumente, auf die jetzt der „Evening Standard“ aufmerksam gemacht hat, offenbaren, wie solch ein Verfahren theoretisch funktionieren könnte. Die Patentanmeldung stammt vom Start-up Trooly, einem Unternehmen, das 2017 von Airbnb übernommen wurde. Bereits 2015 gehörte Airbnb zu den ersten Kunden des von drei indischen Unternehmen in Kalifornien gegründeten Start-up. Das gesamte Verfahren wird von Spezialisten wie z.B. Matthias Spielkamp von der Bürgerrechtsorganisation AlgorithmWatch für sehr fragwürdig gehalten (Airbnb: So könnte Software für Airbnb Nutzer-Persönlichkeiten einschätzen – Der Spiegel – Netzwelt vom 07.01.2020). Aber auch auf der Ebene muss der Widerstand noch vergrößert werden. Und so toben die Auseinandersetzungen auf allen Ebenen. Die Hauptaufgabe liegt dabei allerdings bei den Aktivist*innen. Denn die staatlichen Stellen sind oft eher ambivalent. Sie sind an Einkünften aus Steuern interessiert, wenn sie denn gezahlt werden und oft sogar an den Vertreibungseffekten, die die Sozialstruktur in ihrem Sinne aufbessern. Wir haben schon viel in unseren Städten auf die Beine gebracht. Worauf es jetzt auch noch ankommt, ist unseren Widerstand durch überregionale Zusammenarbeit zu verstärken. Packen wir’s an!! 

Und es hat sich schon eine Gegenmaßnahme ausgedacht. Die Touristen, die sich nicht benehmen können und das ganze Wochenende Party machen und somit auch gleich alle anderen können jetzt einem Scoring-Verfahren unterzogen werden. Scoring-Software, die die Vertrauenswürdigkeit und die Persönlichkeit von Personen einstuft, könnte potentielle Risikopersonen bereits im Vorfeld entdecken. Patentdokumente, auf die jetzt der „Evening Standard“ aufmerksam gemacht hat, offenbaren, wie solch ein Verfahren theoretisch funktionieren könnte. Die Patentanmeldung stammt vom Start-up Trooly, einem Unternehmen, das 2017 von Airbnb übernommen wurde. Bereits 2015 gehörte Airbnb zu den ersten Kunden des von drei indischen Unternehmen in Kalifornien gegründeten Start-up. Das gesamte Verfahren wird von Spezialisten wie z.B. Matthias Spielkamp von der Bürgerrechtsorganisation AlgorithmWatch für sehr fragwürdig gehalten( Airbnb: So könnte Software für Airbnb Nutzer-Persönlichkeiten einschätzen – Der Spiegel – Netzwelt vom 07.01.2020) 

1 Wenn ich sage: „unsere“ oder „wir“ so heißt das: „wohnraum für alle“ wurde von wechselnden namentlich unbestimmten Aktivist*innen wiederholt als eine Art Label benutzt, obwohl die eine oder andere schon lange Besetzungen durchführten.