Oder besser „Wohnwaben“, der Weg zu mehr Reibach und ein Mittel der Vertreibung. Wir können mittlerweile von einem Trend sprechen, der sich in der Wohnungslandschaft auftut. Die Rede ist von sogenannten Mikroapartments. Mikroapartments oder auch Mikroflats genannt sind wie der Name schon sagt: mikroskopisch kleine Wohnungen. Bei Wikipedia werden sie als eine in sich geschlossene, sehr kleine Einzelwohnung bezeichnet. Die Größe schwankt zwischen 14 und 32 qm und ist mit einem Wohn- und Schlafzimmer, einem Bad und einer Küchenzeile ausgestattet.

In den USA und England blicken die Investoren schon auf eine lange Erfolgsgeschichte. Es begann dort bei 37 qm Mindestfläche, in New York City ist sie aber bereits auf 26 qm geschrumpft. Hier bei uns muss mensch zum Teil schon mit 18 qm auskommen und 

der Tendenz nach geht es eindeutig noch kleiner in Richtung 14 qm. Aber wenn der Mensch denkt, dass er dadurch auch Geld spart bei der Miete, irrt er sich gewaltig. Er wird zur Ader gelassen und ausgequetscht. Selbst in angesagten Städten wie z. B. München, wo der normale Quadratmeterpreis mittlerweile bei 15 € angekommen ist, würde man dann ja wohl nur um die 300 € pro Wohnung zahlen. So ist es aber nicht. Die qm-Preise liegen je nach Lage und Ausstattung und Stadt zwischen 25 und 30 €/qm. Und nach oben gibt es so gut wie keine Grenze mehr, denn da die Mikroapartments möbliert vermietet werden, greifen weder Mietpreisspiegel noch Mietpreisbremse. Doch auf die Preise kommen wir später noch einmal zurück.

Es wird gesagt, dass Mikroapartments in den dicht besiedelten urbanen Zentren Europas, Japans, Hongkongs und Nordamerikas immer beliebter werden sind. Beliebter allerdings vor allem bei den Bauherren, Investoren und Vermietern. Denn sie maximieren ihren Gewinn gewaltig. Sie sollen relativ „preisgünstige“ Unterkünfte sein, heißt es in der einschlägigen Literatur. Bei preisgünstig scheiden sich dann allerdings die Geister, von preisgünstig kann nirgends die Rede sein. Mikroapartments werden im Internet als Anlage-Idee angeboten mit dem Slogan: „Größe minimieren, Nutzen maximieren.“ Daraus soll sich dann ein Einnahmeturbo für den Investor bilden. Damit werden mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Pendler, Studierende, Singles und Berufseinsteiger nennen die Entwickler als die Kerngruppe ihrer Mieter, sowie alle diejenigen, die generell temporären Wohnraum benötigen. Aber sie zielen vorrangig auf die Touristen, denn wo finden sich die Studenten, die 600 € und mehr im Monat für eine Mikrobude bezahlen können. 

Aber wir müssen Mikroapartments und Studentenwohnheime sowieso zusammensehen. Mikroapartments sollen die Lösung für den Mangel an Wohnraum sein. Sie werden mittlerweile als „die“ Lösung für den Wohnraummangel in sogenannten „Schwarmstädten“ gesehen. Zumindest von den Investoren. Auch in deutschen Städten herrscht akuter Mangel an Wohnungen, aber vor allem an bezahlbarem Wohnraum und da ist bei Mikroapartments der Begriff „Lösung“ der nackte Hohn. Karsten Nölling (jemand, der vor allem für elektronische Schließsysteme (KIWI) tätig ist und schreibt, bietet da eine „passende“ Lösung in einem Artikel an: „Wenn der Quadratmeterpreis klettert, die Gesamtmiete allerdings überschaubar bleiben soll (oder muss), gibt es die Möglichkeit die Wohnfläche zu verkleinern“ und das was ursprünglich für studentisches Wohnen vorgesehen war und für die Zeit des Studiums auch angemessen ist, jetzt auf ganz normale Wohnungssuchende zu übertragen. Dabei geht es aber überhaupt nicht darum, dass Menschen eine Wohnung finden, in der es sich wirklich leben lässt. Hauptsache ist, dass die Wohnungswirtschaft mit der Rendite „leben“ kann. Die Wohnfläche wird soweit reduziert, wie es gerade noch möglich ist es auszuhalten, ohne Platzangst zu bekommen. Mikroapartments sollen sich für bezahlbaren Wohnraum in städtischen Top-Lagen anbieten und werden nach dem Prinzip „Weniger ist mehr“ konzipiert. Damit wollen sie sogar eine Antwort auf neue Lebensweisen geben. In einer Immobilienzeitung vom Juni 2019 wird beschrieben, dass der Mensch heutzutage ja auch gar keinen Platz mehr braucht, denn die außerberuflichen Interessen wie Musikhören, Fernsehen, Lesen spielen sich weitgehend am Rechner ab, der ja nicht viel Platz braucht. Der E-Book-Reader ersetzt das Bücherregal, Youtube den Plattenschrank. Da kriegt mensch dann gleich noch „gute“ Ratschläge wie man zu leben hat.

Das Wichtigste, was aus allen Artikeln spricht: Mikroapartments richten sich an bestimmte Zielgruppen und versprechen bei überschaubarem Einsatz eine hohe Rendite. „Aufgrund der besonderen Eigenschaften von Mikroapartments sind große Teile der potentiellen Bewohner bereit, eine vergleichsweise hohe Monatsmiete zu akzeptieren. Auf die Zielgruppe ausgerichtete Wohnkonzepte sind notwendig, um als Wohnungsunternehmen langfristig mit Micro-Apartments Erfolg zu haben.“ Auch hier wieder an erster Stelle: Interessant für Anleger. Eine Umfrage der Uni Trier 2018 ergab: „Außerdem werden die Reurbanisierung, der Wohnraummangel, die soziodemographische Lage und die Pluralisierung der Lebensstile als aktuelle Erfolgsfaktoren gesehen. Besondere Attraktivität gewinnen Mikrowohnungen aus der Tatsache, dass diese im Vergleich mit einer klassischen Wohnung mehr Rendite erwirtschaften.“ (denn keine Mietenbremse usw.) 

2014 war im BundesBauBlatt online zu lesen: Mikrowohnungen bilden daher gegenwärtig ein interessantes Produkt mit sehr guten Vermietungspotentialen, wenn die Lage stimmt. Langfristig betrachtet birgt dieses Segment aber Risiken, weil die Wohnungen bei einer Entspannung der Wohnungsmärkte aufgrund der geringen Nutzungsflexibilität und der Monostrukturen deutlich schlechtere Vermietungschancen bieten werden.“ Es ist ja eine ganz besondere Aussage, dass die Investoren, wenn keine Entspannung auf dem Wohnungsmarkt zu erwarten ist, die besten Renditen erzielen werden können. Doch von Entspannung kann keine Rede sein und wird es auch nicht in den nächsten Jahrzehnten. Also wird die Immobilienwirtschaft mit ihren Investoren auch in Zukunft keine Angst vor rückläufigen Renditen haben müssen. Angst müssen die ärmeren Bewohner haben. Angst vor Vertreibung. Denn die Investitionen, die in die in die Mikrowohnungen gehen, gehen möglichen Bauvorhaben im preisgünstigeren Sektor verloren. 

Es kann ja sein, dass der Mensch heutzutage mit weniger auskommen müsste. Jede*r schafft sich im Leben viel Scheiß an und es fällt manchmal auch schwer sich von Sachen zu trennen, sie zu entsorgen oder weiter zu geben. Wenn das für einige Menschen so ist, dass sie mit Weniger auskommen wollen, dann ist das in Ordnung. Aber bei diesen Mikroapartments geht es einzig und allein um die Gewinnmaximierung. Das wird schon klar, wenn wir auf die Investoren gucken: GBI AG, GBI Wohnungsbau, My Apart, ipartment, Campus Viva, Cube Real Estate, Corestate Capital Holding S.A., Corpus Sireo Real Estate. Unter anderem börsennotierte Immobilien- und Investmentmanager mit Sitzen in Luxemburg.

Es ist unglaublich, dass heute zwischen 25 und 30 €/ qm verlangt werden können und die Investoren das Geld auch bekommen. Auch wenn die „Wohnungen“ möbliert sind und über einige Gemeinschaftsräume verfügen oder Waschmaschinen bereitstellen. Auch 10 € / qm ist heutzutage nicht wenig. Das würde aber für eine 20qm großes Zimmer (Wohnung) 200€ bedeuten. Vielleicht ein Aufschlag für die Möbel und die Gemeinschaftsräume. Vielleicht würden wir dann bei ca. 300€ landen. Aber diese Zahlen sprechen eine andereSprache und nach oben sind überhaupt keine Grenzen gesetzt. So gibt es in Köln eine Anlage mit Mikroapartments, die in mehrere Kategorien eingeteilt sind, die sich im Monat z.B. als XS= ab 1.190,- €; S = 1.390,-€; M= 1.590,-€ und L= 1.890,-€ / Monat. Aber auch Vertreter der Städte sehen Mikroapartments zunehmend kritisch. Anlass sind vor allem die Preise und die These, kleinteiliges Wohnen würde nicht zur Belebung von Städten beitragen, sondern teils gar zur Ghettoisierung einzelner Lagen führen. Studenten und Pendler, so heißt es, seien weniger an Bindungen in ihrer Nachbarschaft interessiert. Das könne der Entwicklung von „Schlafstädten“ Vorschub leisten. Aber es muss auch festgehalten werden, dass insgesamt viel zu wenig preisgünstige Wohnungen für Familien gebaut werden. Am Beispiel zeigt sich, dass das Wohnungsangebot der Nachfrage auf lange Zeit hinterherhinkt. Nach Angaben der Stadt Köln sind 2018 knapp 4.000 neue Wohnungen gebaut worden, gut 2.000 weniger als das durch den Stadtrat selbstgesetzte mittelfristige Jahresziel vorgab. Wie dem auch sei, es muss etwas gegen diese Entwicklung getan werden. Wir können es nicht weiter hinnehmen, dass Wohnraum nur noch zur Geschäftemacherei benutzt wird. Wohnraum ist und bleibt keine Ware.